Diese Extras bieten die aktuellen PKV-Angebote

arztgespräch wirbelsäuleIn Deutschland sind etwa 90 % der Bürger, ca. 70 Millionen Menschen, gesetzlich krankenversichert. Seit 2007 haben alle Bundesbürger die Pflicht, sich versichern zu lassen. Aktuell stehen 134 unterschiedliche Krankenversicherungen zur Auswahl. Von den Kassen muss übrigens jeder aufgenommen werden – unabhängig von Alter, Vorerkrankungen oder akuten Erkrankungen.

Anders in der privaten Krankenversicherung – dort können Versicherungen Mitglieder ablehnen. Neben der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es also auch in Deutschland die Möglichkeit, sich privat versichern zu lassen – dafür müssen allerdings einige Kriterien erfüllt sein. Jeder zehnte Deutsche ist inzwischen privat versichert.

Ob nun gesetzliche oder private Krankenversicherung – was sind die Unterschiede? Welche Leistungen bietet die PKV – die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht angeboten werden? Lohnt es sich, in die private Krankenversicherung zu wechseln? Wie hoch sind die Beiträge? Und kann ich im Zweifelsfall von der privaten wieder in die gesetzliche Krankenkasse wechseln? Fragen über Fragen – unser Ratgeber zeigt, welche Extras die aktuellen PKV bieten, für wen sich ein Wechsel lohnt und welche Angebote empfehlenswert sind.

Welche Vorteile bietet die private Krankenversicherung?

blutdruck messenDer Leistungskatalog der PKV geht deutlich über das Leistungsspektrum und das Angebot der GKV hinaus. Mitglieder können sich von niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten behandeln lassen. Die PKV bezahlt den Versicherten deutlich höhere Sätze als dies die gesetzlichen Krankenkassen tun, vor allem bei hochwertiger Versorgung durch den Spezialisten. Weitere Vorteile der privaten Krankenversicherung sind z.B. die freie Arztwahl, eine volle bzw. hohe Kostenerstattung und die Vorzugsbehandlung bei Klinikaufenthalten.

Wer darf überhaupt in die Private Krankenversicherung?

Arbeitnehmer, die über ein Jahreseinkommen verfügen, das drei aufeinanderfolgende Jahre 51.000 Euro brutto übersteigt, dürfen in die private Krankenversicherung wechseln. Beamte und ranghohe Staatsbedienstete wie z.B. Richter sind meist privat krankenversichert. Freiberufler, Selbständige und Studenten dürfen sich unabhängig vom Einkommen privat versichern. (Quelle: http://www.stern.de/wirtschaft/versicherung/private-krankenversicherung-fuer-wen-sich-der-wechsel-lohnt-1642554.html)

Für wen lohnt sich die PKV?

operation chefarztWer die PKV wählt, erhält eine optimale medizinische Rundum-Versorgung – muss dafür allerdings auch tiefer in die Tasche greifen. Die private Krankenversicherung lohnt sich vor allem für gutverdienende Singles und für Kinderlose. In der gesetzlichen Krankenkasse können Familienmitglieder kostenlos mitversichert werden, so dass Familien bei der GKV wohl besser aufgehoben sind.

Ob sich die PKV lohnt, hängt auch vom Eintrittsalter um vom individuellen Gesundheitszustand ab. Je älter der zu Versichernde, umso höher der Beitrag. Hier liegt auch eine weitere Besonderheit der PKV, die beachtet werden muss: Während die Beitragssteigerungen der GKV komplett gesetzlich geregelt und dementsprechend vorhersehbar sind, ist dies für die PKV nicht der Fall. Dort müssen Versicherte mit unvorhergesehenen Preissteigerungen rechnen. Im Schnitt steigen die Versicherungsbeiträge um 5 % pro Jahr – eine stattliche Summe, die dann am Lebensabend zusammen kommen kann.

Im Alter steigen die Beiträge der PKV oft stark an, auch dann, wenn das Einkommen stagniert. So raten Experten vor allem den Menschen zur privaten Krankenversicherung, die auch im Alter auf ein hohes Einkommen vertrauen können – also Vermögen besitzen und auch einen hohen Beitrag weiterhin zahlen können. Es lohnt sich, Tarife miteinander zu vergleichen. Informationen zu den einzelnen Tarifen erhalten Interessierte beispielsweise in den deutschen Verbraucherzentralen.

Welche Extras bieten die aktuellen Angebote?

medikamente naturGenauso wie die Leistungskataloge der gesetzlichen Krankenkassen, ändern sich auch jene der privaten Kassen. Die unterschiedlichen Privatkassen bieten auch unterschiedliche Leistungskataloge, die diverse Extras enthalten. Ein Überblick über mögliche Extras, die in der GKV nicht angeboten werden:

  • Chefarztbehandlung
  • Wahlfreiheit bei Ärzten
  • Wahlfreiheit bei Kliniken
  • kurze Wartezeiten in Kliniken
  • Ein- oder Zweibettzimmer bei stationärer Behandlung
  • höhere Zuzahlungen, z.B. für hochwertige Sehhilfen oder hochwertigen Zahnersatz bis zu 100 %
  • kieferorthopädische Behandlungen
  • generell höhere Kostenübernahme auch bei Medikamenten und Untersuchungen
  • Kostenübernahme bei alternativen Therapien, z.B. Heilpraktiker
  • Kostenübernahme bei Massagen, Ergotherapie, Physiotherapie
  • höhere Beteiligung bei sog. Hilfsmitteln
  • Vorsorgeuntersuchungen
  • Transport und Rücktransport zum Krankenhaus

Was wird unter Hilfsmittel verstanden?

Hilfsmittel sind Gegenstände, die eine Behinderung oder Einschränkung ausgleichen und den Heilungsprozess beschleunigen. Hilfsmittel sind zum Beispiel:

  • Blutdruckmessgeräte
  • Blutzuckermessgeräte
  • orthopädische Schuhe
  • Sehhilfen (Brillen, Kontaktlinsen)
  • Krankenfahrstühle
  • Gummistrümpfe
  • Gehstützen
  • Herzschrittmacher

Viele PKV bieten auch offene Kataloge an. Sind die erstattungsfähigen Hilfsmittel nicht festgelegt, könne Kunden den Fortschritt nutzen und sich auch neue Hilfsmittel erstatten lassen.

Wie setzen sich die Prämien zusammen?

Die Beiträge für die private Krankenversicherung sind von Gesundheitszustand, gewähltem Leistungsumfang bzw. gewünschtem Service und dem Alter abhängig. Seit 2012 darf das Geschlecht keine Rolle mehr in der Tarifberechnung spielen. Die Beiträge sind steuerlich absetzbar, wenn die gewählten Leistungen jenen der gesetzlichen Absicherung entsprechen. Bedenken Sie, dass die Tarife mit Ihrem Lebensalter steigen.

Die größten PKV Anbieter in Deutschland sind Debeka (2 Mio. Kunden), DKV (900.000 Kunden) und Axa (ca. 800.000 Kunden). Weitere Anbieter sind die Allianz Private, Signal Iduna, Central, die Versicherungskammer Bayern, Continentale, HUK-Coburg und Barmenia. (Quelle: http://www.vergleich.info/versicherung/private-krankenversicherung-pkv/)

Welche Vorteile hat die GKV im Vergleich zur PKV?

vergleich pkv gkvDie private Krankenversicherung hat auch Nachteile: Dazu gehören, dass Kinder und Familienmitglieder nicht automatisch kostenlos mitversichert sind, wie dies in der GKV der Fall ist. Außerdem werden für Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen oft häusliche Krankenpflege oder Haushaltshilfen übernommen – bei der PKV ist dies nicht der Fall, außer es wird speziell im Leistungskatalog hinzugebucht.

Wer unter psychosomatischen Beschwerden leidet, ist in der gesetzlichen Krankenkasse unter Umständen besser aufgehoben. Die Übernahme psychotherapeutischer Behandlungen ist in der privaten Krankenversicherung oft etwas problematisch. (mehr unter: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/krankenkassen-vergleich-gkv-und-pkv/2640744.html)

Woran erkenne ich eine gute private Krankenversicherung?

Eine gute private Krankenversicherung sollte einige Standards erfüllen. Dazu gehören:

  • ideal ist ein privater Krankenversicherungstarif mit einer Option zur Höherversicherung, um später ohne erneute Gesundheitsprüfung den Leistungsumfang aufzubessern
  • Arztrechnungen sollten bis zum 3,5-fachen der Gebührenordnung beglichen werden (Spezialisten sind teuer!)
  • der Hilfsmittelkatalog soll umfangreich und idealerweise nach oben hin offen sein, so dass neue Leistungen hinzukommen können
  • psychotherapeutische Behandlungen sollten zeitlich unbegrenzt angeboten werden
  • Zahnersatz (Implantate & Co.) und Zahnbehandlungen sollten mindestens zu 70 % erstattet werden; ideal sind 90 bis 100 %.

Die Vor- und Nachteile im Überblick

Sie wissen immer noch nicht, ob Sie lieber in die private Krankenversicherung wechseln sollten oder doch lieber in der gesetzlichen bleiben? Wir haben noch einmal alle Vor- und Nachteile der privaten Krankenversicherung für Sie zusammengefasst.

Die Vorteile:

  • höherer Leistungsumfang
  • individuelles Leistungspaket nach individueller Lage
  • Behandlung durch Chefarzt und Spezialisten
  • Behandlung in Fachkliniken
  • Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus
  • Sowohl hochwertiger Zahnersatz (Implantate etc.) und Sehhilfen (Brillen, Kontaktlinsen etc.) werden zu einem großen Teil (zwischen 60 und 100 %) erstattet
  • auch alternative Heilmethoden sind inkludiert
  • kein Rezept- bzw. Praxisgebühr
  • rezeptfreie Medikamente werden erstattet, falls vom Arzt verschrieben
  • Leistungsgarantie des Paketes für die gesamte Laufzeit des Vertrages

Die Nachteile:

  • im Alter steigen die Beiträge an – bei der PKV ist nicht die Einkommenshöhe entscheidend für die Beiträge. Die hohen Beiträge im Alter können durch Rückstellungen abgefedert werden
  • hier lauert ein weiterer Nachteil: Wer von der PKV in die GKV wechselt, verliert seine angesammelten Altersrückstellungen
  • Eltern-Kind-Kuren oder Kinderbetreuung im Falle einer schweren Krankheit gehört nicht zum Leistungsumfang der PKV
  • es gibt keine kostenlose Familienversicherung wie in der GKV; für Kinder und Ehepartner müssen extra Prämien bezahlt werden
  • das Arzthonorar wird sofort vom Versicherten bezahlt. Erst später erstattet die PKV das Honorar zurück.
  • im Alter kann ein Wechsel zurück zur GKV schwierig werden: Für Angestellte und Selbständige gilt eine Höchstgrenze von 58 Jahren, wenn Sie wieder in die gesetzliche Krankenkasse wechseln möchten.

Welches sind die Nachteile der GKV?

kosten krankenversicherungNatürlich hat auch die gesetzliche Krankenversicherung einige Nachteile. Dazu gehört beispielsweise der unsichere Leistungskatalog. Durch die Politik können Leistungen eingeschränkt oder gar ganz wegrationiert werden. Ein Beispiel gefällig? Einst wurden Brillen oder rezeptfreie Medikamente erstattet, früher war der Zuschuss für Zahnbehandlungen höher und Praxisgebühr gab es ebenfalls keine. Der Versicherte weiß nie, was alles noch erstattet wird, wenn er medizinische Versorgung benötigt.

Der gesetzlich Versicherte wird meist in einem Mehrbettzimmer untergebracht und die Behandlung wird nicht vom Chef-, sondern vom Stationsarzt durchgeführt. Nur verschreibungspflichtige Medikamente werden von der gesetzlichen Kasse bezahlt, andere bezahlt der Patient aus der eigenen Tasche. Genauso wie bei der Zahnversorgung: Bei Zahnersatz wird nur bis zu 65 Prozent der gesetzlichen Regelversorgung übernommen – und teure bzw. moderner Zahnersatz wie Implantate gehören nicht zur Regelversorgung.

Kann ich von der privaten in die gesetzliche Krankenkasse zurückwechseln?

Ja, das ist möglich – allerdings nur in Ausnahmefällen. Auf alle Fälle müssen Sie jünger als 55 Jahre alt sein, sonst ist kein Wechsel mehr möglich. Zudem könne Arbeitnehmer und Selbständige wieder in die private Krankenversicherung wechseln, wenn ihr Gehalt unter die Mindestgrenze für die PKV absinkt (51.000 Euro im Jahr 2013) oder wenn sie arbeitslos werden. Auch können Arbeitnehmer auf Gehalt verzichten und evtl. Teilzeit arbeiten, um wieder unter die Mindestgrenze zu rutschen. Treten Sie mit der GKV in Kontakt, um die Details für einen Wechsel zu klären.

Alle Angaben müssen übrigens korrekt sein, ansonsten darf Sie die GKV ablehnen und Sie müssen wieder zur privaten Versicherung wechseln. Ein erneuter Wechsel ist also an einige Vorgaben geknüpft und nicht ganz unproblematisch – aus diesem Grund sollte der Wechsel in die PKV gut überlegt sein.